Angioödeme durch Herzkreislauf-Medikamente

Etwa 0,1-0,6% der Patienten, die ACE-Hemmer erhalten, entwickeln Angioödeme. Auch beim Einsatz von AT-1-Blockern wird von Schwellungsattacken berichtet – allerdings weniger häufig. ACE-Hemmer (= "Angiotensin Converting Enzyme-Hemmer") und AT-1-Blocker (= Angiotensin-Rezeptorblocker) sind Medikamente, die bei Bluthochdruck, aber auch bei Herzschwäche, nach einem Herzinfarkt oder bei Nierenschwäche eingesetzt werden. Aufgrund ihres Wirkmechanismus werden ACE-Hemmer und AT-1-Blocker unter dem (zugegeben etwas komplizierten …) Oberbegriff "Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Inhibitoren" (RAAS-Inhibitoren) zusammengefasst.

Sie wissen nicht, ob Sie einen ACE-Hemmer oder einen AT-1-Blocker  einnehmen? Tipp: Schauen Sie sich die Beipackzettel Ihrer Medikamente an. Ganz oben finden Sie den Namen des Wirkstoffs.

  • Zu den ACE-Hemmern gehören Wirkstoffe, die auf -"pril" enden: Benazepril, Captopril, Cilazapril, Enalapril, Fosinopril, Lisinopril, Moexipril, Perindopril, Quinapril, Ramipril, Spirapril, Trandolapril.
  • Zu den AT-Hemmern gehören Wirkstoffe, die auf "-sartan" enden: Candesartan, Losartan, Valsartan.

Die Schwellungsattacken beim Einsatz von ACE-Hemmern oder AT-1-Blockern werden ebenfalls durch Bradykinin vermittelt. Ursache ist, dass diese Medikamente den Abbau von Bradykinin hemmen, was zu einem Anstieg der Bradykininspiegel und in der Folge zu einer erhöhten Gefäßdurchlässigkeit mit Angioödem-Bildung führen kann.

Etwa die Hälfte der betroffenen Patienten entwickeln die Angioödeme innerhalb der ersten zwei Monate nach Beginn der Medikamenteneinnahme. Schwellungsattacken können aber auch erst nach monatelanger und sogar jahrelanger problemloser Einnahme des Arzneimittels auftreten.

Angioödeme durch die genannten Herzkreislauf-Medikamente äußern sich häufig als Schwellungen in der Kopf-Hals-Region, vor allem im Gesicht, an der Lippe, an der Zunge und am Kehlkopf. Bei dieser Angioödem-Form fehlt eine familiäre Vorgeschichte, d. h. es sind in der Regel keine weiteren Krankheitsfälle in der Familie bekannt. Auch nach dem Absetzen der Medikamente kann es noch wochenlang zu Beschwerden kommen.