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Angioödeme sind Schwellungen der tieferen Hautschichten oder/und der Schleimhäute. Prinzipiell können sich die Schwellungen in allen Körperregionen entwickeln. Am häufigsten betroffen sind umschriebene Gebiete an Gesicht (oft Lippen oder Lider), Händen, Füßen, Armen, Beinen oder Genitalien. Aber auch am Körperstamm können sich die Angioödeme zeigen.

Die Schwellungen treten in unregelmäßigen Abständen auf und halten durchschnittlich 1-3 Tage (gelegentlich auch bis zu 7 Tagen) an. Manchmal – aber längst nicht immer – lassen sich Auslöser erkennen (z. B. Operationen, Stress- und Belastungssituationen, Infektionen, Nahrungsmittel, Hitze oder Kälte, bei Frauen auch hormonelle Veränderungen). Meistens werden die Schwellungen der Haut von einem Spannungsgefühl begleitet. Im Gegensatz zu allergiebedingten bzw. Histamin-vermittelten Angioödemen fehlen bei den nicht-Histamin-vermittelten Schwellungen der Juckreiz und die Quaddelbildung.

Ursache des Angioödems ist ein Austritt von Flüssigkeit aus Blutgefäßen in das umliegende Gewebe der betroffenen Körperregion. Dies ist möglich, wenn vor Ort so genannte vasoaktive Substanzen hergestellt werden (z. B. bei Entzündungen, Allergien, Verletzungen, usw.). Vasoaktiv bedeutet, dass die Substanzen einen Einfluss auf die Gefäßwand haben. Bestimmte vasoaktive Substanzen (z. B. Histamin oder Bradykinin) erhöhen vorübergehend die Durchlässigkeit der Gefäßwand – die Folge ist ein Flüssigkeitsübertritt mit Schwellung der Haut und/oder Schleimhaut.

Bei bestimmten Formen des Bradykinin-vermittelten Angioödems – z. B. beim hereditären Angioödem – ist häufig die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts betroffen. Dies führt zu krampfartigen Schmerzen, teilweise einhergehend mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei manchen Betroffenen sind (fast) ausschließlich Magen-Darm-Beschwerden vorhanden, ohne sichtbare Schwellungen der Haut. In diesem Fall ist eine Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern mit Magen-Darm-Beteiligung schwierig. Nicht selten werden die Beschwerden dann falsch gedeutet (z. B. als akutes Abdomen, Blinddarmentzündung oder Magengeschwür), was unter Umständen zu unnötigen operativen Eingriffen führt.

Angioödeme können gefährlich sein, wenn sie im Atemwegsbereich auftreten. Vor allem Schwellungen im Kehlkopfbereich oder ausgeprägte Zungenschwellungen behindern die Atmung und führen ohne rechtzeitiges Eingreifen im schlimmsten Fall zum Erstickungstod.

Wichtig zu wissen: Die verschiedenen Angioödem-Formen werden unterschiedlich behandelt: Bradykinin-vermittelte Angioödeme sprechen auf eine Behandlung mit Kortison oder Antihistaminika bis auf wenige Ausnahmen nicht (!) an. Hier stehen andere Medikamente zur Verfügung, mit denen sich bei Bedarf eine wirkungsvolle und rasche Abschwellung erreichen lässt.

Gerade im Hinblick auf die Behandlung ist es notwendig, die verschiedenen Angioödem-Formen voneinander zu unterschieden. Nach ihrer Entstehung lassen sich die Schwellungen einteilen in:

  • Histamin-vermittelte Angioödeme
  • Bradykinin-vermittelte Angioödeme (hierzu gehören die hereditären und erworbene Angioödeme)
  • Andere Angioödeme (weder durch Histamin noch durch Bradykinin vermittelt).

Hier können Sie sich ein Angioödem-Merkblatt mit einer kurzen Übersicht zum Thema ausdrucken.

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